Einstige Schönheit: Vergängliches festzuhalten, Vergangenes aufbewahrt zu wissen, Verändertes wiederzufinden – dieses Bestreben eint Heimatfreunde der aktiven und passiven Art und von ihnen eine ganz besonders Spezies: Postkartenmacher und -Sammler.
Acht solcher historischer Hoyerswerda-Karten, auf dem Markt entweder gar nicht oder nur unter vielen Mühen und zu horrenden Preisen zu bekommen, vereint der Reprint-Folder „Das alte Hoyerswerda“. Titelmotiv ist ein Blick über Schloss (heute noch existent) sowie Elektrizitätswerk und Stadtmühle – Letztere beide schon nicht mehr vorhanden. Nur noch auf unserer Karte ...
8 Postkarten
Kirchstraße
Hoyerswerda - Kirchstraße mit Kriegerdenkmal: „Hoywoy, wie haste dir vaändat“, ist man in Anlehnung an einen berlinischen Erstaunens-Ausruf versucht zu sagen. Denn gerade an dieser Stelle, im Herzen der Altstadt, hat sich vieles grundlegend gewandelt. Die Häuser auf der linken Seite sind komplett verschwunden und durch andere ersetzt worden – der Fließhof beginnt schon kurz nach dieser Stelle. Auch das Kriegerdenkmal rechts vor der (nicht im Bild befindlichen) Johanneskirche findet sich nicht mehr hier. Nur das dominante, gelbe Kaufhaus Max Stoyan, später bekannt als IFA-Haus (also DDR-Auto- und Zweirad-Salon), hat die Zeiten überdauert.
Wochenmarkt
Hoyerswerda - Wochenmarkt: An dieser Stadt-Ansicht hat sich zwar manches, aber nicht alles geändert. Die nördliche Marktseite, auf die der Blick hier fällt, blieb von Zeitläuften und Kriegswirren eben so verschont wie die westliche (links angedeutet) mitsamt dem Rathaus. So viel Glück hatte die südliche und insbesondere die östliche Bebauung des Karrees (heute „Schwarzer Markt“) nicht. Und dass die Wochenmärkte (heute ja mehrmals in der Woche gehalten) mit ganz anderen Ständen und Waren aufzuwarten wissen als dieser hier gezeigte, sorbisch geprägte – das fällt bei einem heutigen Blick an selber Stelle sofort ins Auge.
Bahnhofsstraße
Hoyerswerda - Bahnhofsstraße: Hier war Hoyerswerda, wie Hoyerswerda noch heute ist – in groben Zügen. Die Kaiserliche Post (links) in der heutigen Friedrichsstraße 48, zur Zeit der Aufnahme noch „Bahnhofstrasse“ geheißen, ist heute kein Postamt mit Kunden-/ Besucherverkehr mehr; auch Konrad Zuse dürfte zu jener Zeit noch nicht darin gewohnt und vielleicht den Computer, die Erfindung seines Lebens, vorabgeträumt haben. Der Turm der Johanneskirche zeigt sich nach Kriegszerstörung und Wiederbekrönung heute in anderer Optik. Nur in der Gaststätte geradezu („Nasse Post“) wird auch heute noch Bier gereicht.
Schloss
Hoyerswerda - Schloss: Dies ist das älteste Hoyerswerdaer Gebäude – das Schloss. Zwar wurde es im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut, auch „Totalschäden“ wie das Geschliffenwerden durch die Horden des Sechsstädtebundes ward ihm nicht erspart – aber in den Grundzügen blieb es das, was es immer war, hinweg durch alle Widrigkeiten und Fährnisse, in denen es als Wohnsitz, Gerichtsgebäude, Verwaltungs-Haus und sogar Gefängnis diente. Heute findet sich darin das Museum. Der wieder freigelegte Kreuzgewölbe-Saal, heute genutzt für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen, zählt zu den architektonischen Kleinoden der Stadt.
Elsterpartie
Hoyerswerda - Elsterpartie: Einst war Hoyerswerda von Fließen durchzogen – von Armen der Schwarzen Elster, auf denen man per Kahn reisen konnte wie sonst nur in Venedig. Beliebtes Ziel von Kahn-Touren war das Schützenhaus, der spätere Kastanienhof, den es heute nicht mehr gibt. Auch der hier gezeigte Elsterfließ ist nicht mehr existent – in den 30erJahren schüttete der Reichsarbeitsdienst (fast) alle dieser Fließe zu und kanalisierte den Hauptlauf des Stromes neu, vor allem, um der dauernden Elster-Hochwässer Herr zu werden. Die Häuser links sind aber zu Teilen erhalten geblieben – in der heutigen mittleren Kolpingstraße.
Rathaus
Hoyerswerda - Marktplatz: Gewissermaßen das Gegenstück zur Karte „Wochenmarkt“. Der Blick richtet sich hier nach Süden. Rechts (im Westen) sind Rathaus und Ratskeller abgebildet, die Freitreppe mit ihrem kunstvoll verzierten Eisengeländer ist heute noch im Originalzustand so zu sehen beziehungsweise zu begehen. Die Südseiten-Bebauung hingegen fiel dem II. Weltkrieg zum Opfer. Heute befindet sich dort ein Zeeman-Textiel Super (Markt), vormals Magnet-Kaufhaus, dessen Obergeschoss zu DDR-Zeiten auch einmal die Stadtbibliothek beherbergte, die heute in die neustädtische Dietrich-Bonhoeffer-Straße 6/7 umgezogen ist.
Kirche
Hoyerswerda – Kirche mit Elsterpartie: Die Johanneskirche von der Ostseite aus gesehen. Das einstens „Wendische Kirche“ geheißene Gotteshaus war der Ausgangspunkt der Reformation in Hoyerswerda. Am „Feste St. Johannis des Täufers“, also am Johannistag (24. Juni) 1540 hielt der vormalige Mönch Basilius Laurentius „das Exercitium Religionis, nach Innhalt der Augsburgischen Confeßion“, wie die Frentzel’sche Chronik von 1744 zu melden weiß. Schlicht gesagt: es war der erste evangelische Gottesdienst in der Stadt. Das Mühlenfließ (rechts im Bild) blieb als einziges der Hoyerswerdaer Fließe bis heute erhalten.